germanyfcbarsenal
24-02-2008, 05:45 AM
Well, I am a loud and proud supporter of Jens, and I think the future belongs to Adler.
Interesting article about this subject:
Kandidaten-Karussel vor der EURO
Von Lars Wellbrock
Auf eines kann man sich in Deutschland stets verlassen: Wir Deutsche lieben unsere Helden. Eine Zeit lang. Und dann lieben wir es, sie straucheln zu sehen. Beispiele gibt es genug. Das aktuellste ist das des designierten EM-Torhüters Jens Lehmann. In den letzten Jahren spielte er auf einem konstant hohen Niveau, rettete im Elfmeterschießen gegen Argentinien den Einzug ins WM-Halbfinale und war die klare Nummer eins beim FC Arsenal, einer der stärksten Mannschaften der Welt. Lehmann war so gut, dass er sogar Oliver Kahn vom Sockel stieß.
Doch in dieser Saison läuft es nicht mehr so. Zwei schlechten Spielen und einer kleinen Verletzung folgte die Ersatzbank in London. Und in Deutschland die blanke Panik. Kann ein Torwart ohne Spielpraxis bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz im deutschen Tor stehen? Training hin, Spiele im FA-Cup her: Nur ein Torhüter, der sich alle paar Tage unter Wettkampfbedingungen bewähren muss, kann das deutsche Ziel gewährleisten, das da heißt: Europameister zu werden. Da interessiert es dann auch nicht, dass in einem Trainingsspiel bei Arsenal die Intensität vermeintlich höher ist als bei einem Bundesligaspiel gegen Cottbus oder Duisburg.
Schwaches Länderspiel
Konnte Lehmann in der Hinrunde die Gruppe derer noch klein halten, die gegen ihn stimmten, weil seine Leistungen in der Nationalelf ohne Fehl und Tadel waren, so spielte sein schwaches Länderspiel in Österreich seinen Kritikern in die Karten. Nun sprangen alle die auf den Zug, die "immer schon" wussten, dass ein Ersatztorwart in seinem Club kein Nationalspieler sein könnte. Paradoxerweise fiel diese Begegnungen gerade in die Zeit, als Lehmann bei Arsenal wieder spielte, denn zu seinen Einsätzen im FA-Cup kam eine Verletzung seines Konkurrenten Manuel Almunia. Er spielte wieder regelmäßig und das noch dazu gut.
Doch spätestens seit dem letzten Wochenende hat die Torwart-Diskussion eine neue Dimension erreicht. Lehmann verlor mit Arsenal 0:4 bei Manchester United - Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Wer vier Stück kassiert, darf nicht ins deutsche Team. Dass dabei kein Tor auf seine Kappe geht - egal. Dass er in einigen Szenen einen höheren Rückstand vereitelte - auch egal. Ein neuer Torwart muss her - egal wer. So scheint es fast, denn die Diskussion über einen Nachfolger ist in weiten Teilen lächerlich.
Unendliche Kandidatenflut
Das fängt schon damit an, dass die eigentliche Nummer zwei und drei in der deutschen Nationalmannschaft, Timo Hildebrand vom FC Valencia und Robert Enke von Hannover 96, so gut wie gar nicht gehandelt werden. Dafür sonst aber jeder deutsche Torwart "bis auf Sepp Maier", wie Trainer-Legende Udo Lattek richtig bemerkte. Am häufigsten gehandelt wird derzeit René Adler von Bayer Leverkusen, unbestritten ein sehr guter Torsteher und ein noch viel größeres Talent. Ihm gehört die Zukunft, darüber sind sich alle Experten einig. Doch ob die jetzt schon in den nächsten Wochen beginnen muss?
Frank Rost ist plötzlich auch wieder im Spiel. Nur unwesentlich jünger als Jens Lehmann (nämlich 34) und mit einem ähnlichen Schicksal wie der ehemalige Dortmunder, denn Rost wurde vor einem Jahr von Schalke-Trainer Slomka von heute auf morgen aussortiert. Er entschied sich jedoch anders als Lehmann, wechselte den Verein und fand beim Hamburger SV zu alter Stärke zurück. Ob die jetzt aber ausreicht für eine deutsche Nummer eins? Zumal sich Rost fragen muss, warum es trotz unbestritten großem Talent nur zu vier Länderspielen reichte. Die Antwort wird in seinem Charakter und seiner teils störrischen Art zu finden sein.
Elferkiller "Tim Riese"
Gleiches gilt für Bremens Torhüter Tim Wiese. Bei keinem Torhüter liegen Genie und Wahnsinn so eng beisammen. Noch dazu verzichtet er komplett auf die mitunter nicht unwichtigen Vorzüge einer gewissen Diplomatie, so dass er es sich früh mit Nationaltrainer Joachim Löw verscherzt hat. Nach drei gehaltenen Elfmetern binnen vier Tagen macht ihn die Boulevardpresse auch gerne mal zu einem "Tim Riese", den die User dann umgehend zur wahren deutschen Nummer eins wählen. Doch reicht das schon, um Jens Lehmann vom Thron zu stoßen? Zumal seine Strafraumbeherrschung noch längst nicht internationale Spitzenklasse ist.
Bleiben die jungen Wilden: René Adler und Manuel Neuer. Während Neuer im Schalker Tor mitunter mit seinen Nerven zu kämpfen hat, zeigt der erst 23-jährige Adler eine enorme Konstanz. Die Diskussion, ob er mit zur EM fahren sollte, ist somit eine berechtigte. Nicht, um zu spielen. Sondern um Erfahrungen zu sammeln, um die Abläufe bei einem großen Turnier aus erster Hand mitzubekommen. Denn dass er bei den nächsten Europa- und Weltmeisterschaften dabei sein wird, scheint zum jetzigen Zeitpunkt außer Frage zu stehen.
Drei Gründe sprechen für Lehmann
Doch spielen muss und wird Jens Lehmann. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und vor allem Bundestrainer Joachim Löw wollen ihm zwar - natürlich ist man geneigt zu sagen - keinen "Persilschein" ausstellen. Können sie auch nicht, schließlich zählt im Fußball immer noch das Leistungsprinzip. Doch drei Gründe sprechen klar für den in Essen geborenen: zum einen seine jahrelang bewiesene Klasse. Zum anderen, dass keiner seiner Konkurrenten wirklich Druck auf ihn ausüben kann, so wie er es vor der letzten WM auf Oliver Kahn getan hat.
Und zum dritten: Die ganze Spielphilosophie der Nationalmannschaft ist auf Lehmanns Art ausgerichtet. Er stellt die Abwehr wie kein anderer, schiebt sie immer wieder weit nach vorne, um selbst die Rolle des Liberos dahinter zu übernehmen. Seine mutige Art, Flanken auch weit vor seinem Gehäuse abzufangen, entlastet die Abwehrspieler und erstickt viele Chancen der Gegner schon im Ansatz. Dazu hat er das Auge, Konter schnell und sehr präzise einzuleiten. All diese Eigenschaften braucht die deutsche Elf, um erfolgreich zu sein. Doch all diese Eigenschaften vereinigt keiner der Konkurrenten auf sich.
Die Konsequenz: Jogi Löw müsste das Torwartspiel umstellen und schlimmer noch, die Mitspieler müssten sich wieder komplett auf eine andere Art einstellen. Nun müssen Fußballer natürlich flexibel sein, doch der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. Vor dem Trainingslager als Auftakt der EM-Vorbereitung gibt es nur noch ein Länderspiel (am 26. März in der Schweiz). Wie soll sich da eine Abwehr an einen neuen Torhüter gewöhnen?
Kurzum: Die Diskussion ist eine rein populistische. Die beiden Verantwortlichen - Löw und Köpke - haben sich längst entschieden. Nun liegt es nur an Jens Lehmann selber. Weitere Auftritte wie den in Österreich sollte er sich nicht erlauben.
http://www.espnsoccernet.de/feature?id=509268&lpos=spotlight&lid=tab2pos1
Interesting article about this subject:
Kandidaten-Karussel vor der EURO
Von Lars Wellbrock
Auf eines kann man sich in Deutschland stets verlassen: Wir Deutsche lieben unsere Helden. Eine Zeit lang. Und dann lieben wir es, sie straucheln zu sehen. Beispiele gibt es genug. Das aktuellste ist das des designierten EM-Torhüters Jens Lehmann. In den letzten Jahren spielte er auf einem konstant hohen Niveau, rettete im Elfmeterschießen gegen Argentinien den Einzug ins WM-Halbfinale und war die klare Nummer eins beim FC Arsenal, einer der stärksten Mannschaften der Welt. Lehmann war so gut, dass er sogar Oliver Kahn vom Sockel stieß.
Doch in dieser Saison läuft es nicht mehr so. Zwei schlechten Spielen und einer kleinen Verletzung folgte die Ersatzbank in London. Und in Deutschland die blanke Panik. Kann ein Torwart ohne Spielpraxis bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz im deutschen Tor stehen? Training hin, Spiele im FA-Cup her: Nur ein Torhüter, der sich alle paar Tage unter Wettkampfbedingungen bewähren muss, kann das deutsche Ziel gewährleisten, das da heißt: Europameister zu werden. Da interessiert es dann auch nicht, dass in einem Trainingsspiel bei Arsenal die Intensität vermeintlich höher ist als bei einem Bundesligaspiel gegen Cottbus oder Duisburg.
Schwaches Länderspiel
Konnte Lehmann in der Hinrunde die Gruppe derer noch klein halten, die gegen ihn stimmten, weil seine Leistungen in der Nationalelf ohne Fehl und Tadel waren, so spielte sein schwaches Länderspiel in Österreich seinen Kritikern in die Karten. Nun sprangen alle die auf den Zug, die "immer schon" wussten, dass ein Ersatztorwart in seinem Club kein Nationalspieler sein könnte. Paradoxerweise fiel diese Begegnungen gerade in die Zeit, als Lehmann bei Arsenal wieder spielte, denn zu seinen Einsätzen im FA-Cup kam eine Verletzung seines Konkurrenten Manuel Almunia. Er spielte wieder regelmäßig und das noch dazu gut.
Doch spätestens seit dem letzten Wochenende hat die Torwart-Diskussion eine neue Dimension erreicht. Lehmann verlor mit Arsenal 0:4 bei Manchester United - Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Wer vier Stück kassiert, darf nicht ins deutsche Team. Dass dabei kein Tor auf seine Kappe geht - egal. Dass er in einigen Szenen einen höheren Rückstand vereitelte - auch egal. Ein neuer Torwart muss her - egal wer. So scheint es fast, denn die Diskussion über einen Nachfolger ist in weiten Teilen lächerlich.
Unendliche Kandidatenflut
Das fängt schon damit an, dass die eigentliche Nummer zwei und drei in der deutschen Nationalmannschaft, Timo Hildebrand vom FC Valencia und Robert Enke von Hannover 96, so gut wie gar nicht gehandelt werden. Dafür sonst aber jeder deutsche Torwart "bis auf Sepp Maier", wie Trainer-Legende Udo Lattek richtig bemerkte. Am häufigsten gehandelt wird derzeit René Adler von Bayer Leverkusen, unbestritten ein sehr guter Torsteher und ein noch viel größeres Talent. Ihm gehört die Zukunft, darüber sind sich alle Experten einig. Doch ob die jetzt schon in den nächsten Wochen beginnen muss?
Frank Rost ist plötzlich auch wieder im Spiel. Nur unwesentlich jünger als Jens Lehmann (nämlich 34) und mit einem ähnlichen Schicksal wie der ehemalige Dortmunder, denn Rost wurde vor einem Jahr von Schalke-Trainer Slomka von heute auf morgen aussortiert. Er entschied sich jedoch anders als Lehmann, wechselte den Verein und fand beim Hamburger SV zu alter Stärke zurück. Ob die jetzt aber ausreicht für eine deutsche Nummer eins? Zumal sich Rost fragen muss, warum es trotz unbestritten großem Talent nur zu vier Länderspielen reichte. Die Antwort wird in seinem Charakter und seiner teils störrischen Art zu finden sein.
Elferkiller "Tim Riese"
Gleiches gilt für Bremens Torhüter Tim Wiese. Bei keinem Torhüter liegen Genie und Wahnsinn so eng beisammen. Noch dazu verzichtet er komplett auf die mitunter nicht unwichtigen Vorzüge einer gewissen Diplomatie, so dass er es sich früh mit Nationaltrainer Joachim Löw verscherzt hat. Nach drei gehaltenen Elfmetern binnen vier Tagen macht ihn die Boulevardpresse auch gerne mal zu einem "Tim Riese", den die User dann umgehend zur wahren deutschen Nummer eins wählen. Doch reicht das schon, um Jens Lehmann vom Thron zu stoßen? Zumal seine Strafraumbeherrschung noch längst nicht internationale Spitzenklasse ist.
Bleiben die jungen Wilden: René Adler und Manuel Neuer. Während Neuer im Schalker Tor mitunter mit seinen Nerven zu kämpfen hat, zeigt der erst 23-jährige Adler eine enorme Konstanz. Die Diskussion, ob er mit zur EM fahren sollte, ist somit eine berechtigte. Nicht, um zu spielen. Sondern um Erfahrungen zu sammeln, um die Abläufe bei einem großen Turnier aus erster Hand mitzubekommen. Denn dass er bei den nächsten Europa- und Weltmeisterschaften dabei sein wird, scheint zum jetzigen Zeitpunkt außer Frage zu stehen.
Drei Gründe sprechen für Lehmann
Doch spielen muss und wird Jens Lehmann. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und vor allem Bundestrainer Joachim Löw wollen ihm zwar - natürlich ist man geneigt zu sagen - keinen "Persilschein" ausstellen. Können sie auch nicht, schließlich zählt im Fußball immer noch das Leistungsprinzip. Doch drei Gründe sprechen klar für den in Essen geborenen: zum einen seine jahrelang bewiesene Klasse. Zum anderen, dass keiner seiner Konkurrenten wirklich Druck auf ihn ausüben kann, so wie er es vor der letzten WM auf Oliver Kahn getan hat.
Und zum dritten: Die ganze Spielphilosophie der Nationalmannschaft ist auf Lehmanns Art ausgerichtet. Er stellt die Abwehr wie kein anderer, schiebt sie immer wieder weit nach vorne, um selbst die Rolle des Liberos dahinter zu übernehmen. Seine mutige Art, Flanken auch weit vor seinem Gehäuse abzufangen, entlastet die Abwehrspieler und erstickt viele Chancen der Gegner schon im Ansatz. Dazu hat er das Auge, Konter schnell und sehr präzise einzuleiten. All diese Eigenschaften braucht die deutsche Elf, um erfolgreich zu sein. Doch all diese Eigenschaften vereinigt keiner der Konkurrenten auf sich.
Die Konsequenz: Jogi Löw müsste das Torwartspiel umstellen und schlimmer noch, die Mitspieler müssten sich wieder komplett auf eine andere Art einstellen. Nun müssen Fußballer natürlich flexibel sein, doch der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. Vor dem Trainingslager als Auftakt der EM-Vorbereitung gibt es nur noch ein Länderspiel (am 26. März in der Schweiz). Wie soll sich da eine Abwehr an einen neuen Torhüter gewöhnen?
Kurzum: Die Diskussion ist eine rein populistische. Die beiden Verantwortlichen - Löw und Köpke - haben sich längst entschieden. Nun liegt es nur an Jens Lehmann selber. Weitere Auftritte wie den in Österreich sollte er sich nicht erlauben.
http://www.espnsoccernet.de/feature?id=509268&lpos=spotlight&lid=tab2pos1